Nachhaltiger Konsum - geht das eigentlich?

Sonntag, Oktober 16, 2016


Obwohl ich dieses Jahr leider nicht am Green Blogger Meetup teilnehmen konnte, habe ich schon einige schöne Beiträge (z.B. hier bei Kea oder hier bei Jenni) dazu gelesen und mir fest vorgenommen, das nächste Mal dabei zu sein! Es gab wohl viele spannende Diskussionen zu Themen wie Zero Waste, Fair Fashion und Konsum generell. Ein Thema davon würde ich gern auch hier aufgreifen und das ist die Frage was brauchen wir wirklich?


 
Generell ist es natürlich so, dass Mode ein Luxusgut ist und kaum jemand heutzutage in Deutschland wirklich noch etwas Neues braucht. Wir alle, mich eingeschlossen, haben einen ziemlich vollen Kleiderschrank, der wahrscheinlich ausreichen würde, um uns die nächsten zehn Jahre oder länger warm zu halten und einigermaßen angemessen zu verschiedenen Anlässen zu kleiden. Trotzdem kaufen wir immer wieder Neues. Manche secondhand, manche nähen sich selbst etwas, manche kaufen regelmäßig beim Textilschweden und Co während andere wiederum nachhaltige Mode einkaufen und sich dabei auf die Schulter klopfen und denken "Welt gerettet, alles fein". Oder so. Ganz so einfach ist es natürlich nicht.
Ich verstehe die Grundkritik, dass auch fair produzierte Mode (unnötig) Ressourcen verbraucht und für unsere Umwelt eine Belastung ist, gerade weil unsere Welt ja theoretisch bereits genug von allem hat. Dem stimme ich zwar zu, aber trotzdem finde ich, dass nachhaltige Firmen unterstützenswert sind und eine wichtige Alternative darstellen, die man fördern sollte. Denn realistischerweise müssen wir uns eingestehen, dass wir nicht von heute auf morgen die Wirtschaft, den Konsum und die Welt verändern können. Menschen haben das Bedürfnis entwickelt, sich immer wieder neue Kleidung zu kaufen, sich neu zu erfinden, ihren Stil durch Mode darzustellen und verwaschene, kaputte Kleidungsstücke oder einfach solche, die dem eigenen Geschmack nicht mehr zusagen oder passen, zu erneuern.
Es gibt einige Wenige, die diesen Kreislauf durchbrechen, weil sie entweder keinen Wert auf einen abwechslungsreichen Kleiderschrank legen, oder weil sie sich ganz bewusst vom Konsum befreien und stattdessen zur Capsule Wardrobe (=Einschränkung auf eine kleine Anzahl festgelegter Kleidungsstücke, meist jahreszeitenabhängig), als Experiment oder langfristig, greifen. Respekt an all die! Das finde ich wirklich bewunderswert und löblich. Aber ich muss eben auch sagen: Das bin ich nicht. Vielleicht noch nicht, vielleicht auch nie. Aber für mich ist Mode sehr vielschichtig und ich habe schon ab und an das Bedürfnis, mal was ganz Anderes anzuziehen und möchte mich auch nicht radikal auf 30 Teile beschränken. Eben weil ich mich aber nun schon viel mit der Modeindustrie befasst habe, habe ich mich dazu entschieden, den grüneren, weniger umweltschädlichen Weg zu gehen: Fair Fashion oder secondhand.
Ja, das ist nicht perfekt. Es verbraucht auch Ressourcen. In einer idealen Welt würden wir alle unser eigenes Gemüse anbauen, keinen Plastikmüll produzieren und ohne Internet, Telefon oder gar neue Klamotten leben. Ist aber nun mal nicht so und der Fortschritt ist auch nicht mehr umkehrbar. Aber: nachhaltig produzierte Mode stellt meiner Meinung nach eine tolle Alternative dar und zeigt die Möglichkeiten auf, die wir alle haben: mit unserem Geld eine bewusste Wahl zu treffen und die richtigen Unternehmen zu unterstützen. Denn diese bauen Infrastrukturen und Zertifizierungen auf, die dringend nötig sind. Sie schaffen Arbeitsplätze, sowohl in Europa als auch im Ausland und sorgen für einen besseren Lebensstandard in den Familien, die diese Kleidung produzieren. Mehr zu Gründen für Fair Fashion habe ich übrigens hier schon geschrieben.


Natürlich ist es so, dass man als Blogger einen Einfluss auf seine Leser haben kann, und meiner soll ganz gewiss nicht sein: Kauf dies, das brauchst du zum Glücklichsein! Meine Nachricht lautet viel mehr: Schau dir die Marken an, die es besser machen als Primark, Mango, Zara und Konsorten. Du hast eine Wahl, und wenn du dich für Mode interessierst, mach die Augen nicht zu, sondern schau dich um. Lass dich inspirieren und informier dich. Kaufe weniger und bewusster.
Zwar ist es so, dass man auch als nachhaltiger Blogger vielleicht mehr Kleidung "konsumiert" als der Durchschnittskunde, aber immerhin mit Bedacht und mit dem Hintergrund, möglichst viele Menschen zu erreichen. Es ist trotzdem nicht so, dass ich jede Woche Neues kaufe, nur um etwas vorstellen zu können, sondern ich überlege mir sorgfältig, was ich brauche (im Sinne von noch nicht oder nicht mehr habe). Neben Mode behandle ich auch andere Themen wie Interior Design, DIY, Veganismus oder Reisetipps, denn sonst wäre es ziemlich schnell ziemlich ruhig hier. Eben weil es nicht täglich neue Outfits zu präsentieren gibt - und die, die aufmerksam mitlesen, habe auch schon einige Stücke mehrmals gesehen, weil das natürlich auch normal so ist. Ich trage meine Kleidung möglichst lange und mit viel Respekt für die Arbeit, die hinter jedem Teil steckt. Es kann auch sein, dass ich ein Kleidungsstück nach dem Shooting wieder an die Firma zurückschicke oder unter euch verlose. Ich glaube, die Mischung macht's und die Wertschätzung hinter jedem Stück ist wichtig, denn nur so kann nachhaltiger, bedachter Konsum funktionieren. 


Alles in allem ist also auch grüne Mode nicht bedingungslos nachhaltig, aber sie ist immer besser als konventionell produzierte. Ich finde, auch als Blogger sollte man bewusst konsumieren und sich nicht einfach grün auf die Fahne schreiben, weil das gerade in ist. Andererseits wäre eben auch keine Änderung in Sicht, wenn die nachhaltigen Influencer alle auf Capsule Wardrobe umstellen und die konventionellen Fashionblogger weiterhin fleißig ihre Hauls präsentieren, was das Zeug hält. Um eine Änderung zu erreichen, muss es eben auch die Sparte dazwischen geben - und da würde ich mich einordnen.  




Sweater*, fair + bio: Jan 'n June, gestreiftes Longsleeve Altbestand (ähnlich in fair: hier von Armed Angels), Jeans*, fair + bio : Nudie Jeans, Schuhe Altbestand (vegan + fair ähnlich: hier entlang), Rucksack: Secondhand Pick 'n Weight, Sonnenbrille*: Kerbholz

Ich freue mich über eure Gedanken dazu und wünsche alles Liebe,
eure Corinna

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14 Kommentare

  1. TOller und ehrlicher Text! Ich finde einfach, dass man in dem Moment, in dem man fair und nachhaltig einkauft automatisch das Bewusstsein schult und durch die Preise auch eher mal 2x überlegt ob man das jetzt wirklich braucht. Seit ich nur noch faire und nachhaltig produzierte Kleidung kaufe hat sich definitiv mein Konsumverhalten verändert. Und das ist doch das wichtige. Man konsumiert überlegter und langfristiger. Für mich ist das der erste Schritt in die richtige Richtung, denn ich bin selbst auch kein Mensch der seine Verhaltensmuster radikal ändern kann- das sind die wenigstens. Deshalb ist für mich das Konzept des fairen Konsums das beste da es eine langsame bewusstseinsänderung und konsumänderung in der breiten Masse veranlasst.
    Und es ist so wundervoll anzusehen wie langsam die Zahl von Menschen steigt die bewusster leben möchten. :)

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    1. Vielen Dank liebe Franzi. Ja, das Bewusstsein der Menschen steigt langsam, zumindest möchte man das meinen bei dem steigenden Angebot. Wobei es wirklich nicht so rosig ist, wie man sich wünschen würde. Ich neige auch dazu, zu denken, ach es gibt immer Menschen, die sich mit fairer Mode auseinander setzen oder sich vegan/vegetarisch ernähren, zerowaste ausprobieren etc. und dann werde ich ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, wenn ich im Urlaub bin oder neue Menschen treffe, die nicht direkt aus "meinem" Umfeld kommen, denn natürlich umgibt man sich gern mit Gleichgesinnten, die einen verstehen. Trotzdem bin ich Optimist und glaube an den wohl richtig betitelten LANGSAMEN Wandel. :)

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  2. Den letzten Satz von Franzi könnte man durchaus 'pervertiert' lesen: Ja, wie LANGSAM die Anzahl ansteigt!
    Fair, öko etc. ist natürlich immer die bessere Alternative. Aber eben: ALTERNATIVE. Natürlich mag man im Grundtonus dem Geschriebenen zustimmen, aber liest man einmal die Bücher von z.B. Kathrin Hartmann u.a. Konsumkritiker_innen sowie entsprechende Studien, dann wird schnell deutlich: Veränderter Konsum ändert im Großen und Ganzen nichts. Außer, dass man sich selbst ein Stück besser fühlt. Warum ist unser Konsum die einzige Haltung, die wir haben? Warum Ketten wir uns nicht mehr an Baumstämme? Diese Fragen stellt Kathrin Hartmann und konstatiert diesen 'nachhaltigen' Konsum als neues Abgrenzungsmodell zwischen den Schichten. In so einer Gesellschaft möchte ich nicht leben.
    Und ehrlicherweise könnte man ja auch fragen (und das soll jetzt wirklich kein persönlicher Angriff sein): Wofür braucht die Menschheit einen Modeblog? Gibt es nicht wichtigere Themen, die sich wunderbar über das Internet streuen lassen könnten? In diesem Sinne muss ich mich natürlich auch selbst fragen: Warum lese ich das dann?

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    1. Hallo Ilmarie, danke für deinen Kommentar! Auf jeden Fall ist es so, dass sich die Anzahl zu langsam verändert und genereller Konsum nicht die ultimative Lösung ist. Leider habe ich das Buch nicht gelesen (wäre aber durchaus interessiert daran), von daher ist es schwer zu argumentieren. Generell muss ich aber sagen, dass ich sehr wohl glaube, dass faire Mode deutlich mehr Einfluss hat als nur dem Kunden ein gutes Gefühl zu geben. Durch Kontakt mit Marken wie Jyoti oder Glimpse, die sich für Frauenrechte einsetzen, indem sie misshandelten Frauen eine Ausbildung und eine sichere Einkommensquelle anbieten, habe ich gelernt, dass sich durch deren Mode einiges verändert und zwar im Leben all dieser Menschen, die für solche Firmen arbeiten. Ja, es ist im noch Kleinen. Aber eben dafür gibt es Modeblogs, die das verbreiten können (und ich freue mich, dass du es liest und eine Diskussion anregst :)).
      Natürlich ist Mode ein Luxusgut, das keiner BRAUCHT, wie eingangs erwähnt, aber es ist nun mal ein fest etablierter Bestandteil unserer Gesellschaft und daher finde ich, dass es realistischer ist, einen Wandel in den Produktionsbedingungen und Strukturen zu fordern und fördern als den ganzen Industriezweig einzustampfen. Das wird nämlich einfach nicht geschehen, da die ganze Branche sehr profitabel ist und es genug Firmen gibt, die dafür sorgen, dass das weiterhin so ist. Meine Hoffnung ist aber, dass sie auch positive Auswirkungen verursacht.

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  3. Alle Daumen hoch für diesen Artikel und deine Fair Fashion Entscheidung! Meine Einstellung dazu ist: lieber 1 faires Teil, als 10 vom Textilschweden. Man hat einfach mehr davon und fühlt sich auch tausend Mal besser beim Tragen.

    Liebst,
    Ulrike

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    1. Liebe Ulrike, vielen Dank dir, das ist eine super Einstellung :) Kann ich nur unterschreiben.

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  4. Eine sehr interessante Reihe - die auch in zu dem Thema passt - gibt es übrigens beim SWR als Podcast dazu, wie grün/nachhaltig der Sharing-Gedanke ist. Sehr hörenswert!

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    1. Danke für den Tipp - da höre ich gern mal rein! Sharing ist auf jeden Fall ein guter Ansatz, den ich ebenfalls untersütze :)

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  5. Ich finde das ein sehr interessantes Thema, das einen auch mal dazu anregt darüber nachzudenken was man selbst so im Kleiderschrank hängen hat. Allerdings war ich beim Thema Klamotten eh immer etwas bedachter beim Einkaufen und neige nicht dazu ständig shoppen zu gehen. Da kann man dann auch mal in ein Teil investieren, wenn man sich "verliebt" hat.

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    1. Danke liebe Christine. Und ja, da hast du absolut recht - gut, dass das Shoppen kein Laster bei dir ist wie bei so vielen :)

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  6. Liebe Corinna!

    Auch von mir alle Daumen hoch für diesen Artikel! (Ich bin gerade erst dazu gekommen, ihn vernünftig zu lesen...)

    Die Diskussion auf dem Meetup hat sich auf jeden Fall stark mit dieser Thematik beschäftigt - und mich ebenfalls sehr zum Nachdenken gebracht (danke dir übrigens für die Verlinkung! :) ): Wie das so ist, wenn man sich in die Zero-Waste-und-Fair-Fashion-und-Nachhaltig-leben-Schiene selbst eingearbeitet hat, vergisst man irgendwie schnell, dass solche Gedanken und Dinge für viele Menschen absolut nicht denkbar sind. Denen das zu radikal erscheint und dann lieber gleich so weitermachen wie bisher - ist am bequemsten und ich muss nichts ändern, wunderbar.
    Niemand kann von allen Menschen verlangen, dass sie auf einmal erkennen, wie wenig sie eigentlich brauchen (wirklich BRAUCHEN). Fair Fashion und grüne Marken sind eine absolut gute Zwischenstation dafür, da gebe ich dir auf jeden Fall recht - und ich denke, es sollte unsere Aufgabe als Blogger*innen sein, den Menschen diese Zwischenstationen vorzustellen, ohne andauernden Konsum vorzuleben. Einfach, um sie ein wenig an die Hand zu nehmen, wenn man es so ausdrücken möchte. Und - ganz ehrlich: Ab und zu mögen wir alle eine "neue" Errungenschaft leiden - fast niemand kann sich davon vollkommen freisprechen. Ich glaube, die Masse ist wichtig - wenn diese sensibilisiert ist, liegt auch der Gedanke an weniger Konsum generell nicht mehr fern.

    Liebe Grüße
    Jenni

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    1. Vielen Dank dir liebe Jenni! Ja das stimmt, man umgibt sich ja tendenziell öfters mit Menschen, die einem ähnlich sind und sich auch für ähnliche Themen engagieren, aber ich bin auch manchmal überrascht, wenn ich plötzlich die Einzige in einer Gruppe bin, die kein Fleisch möchte und nicht so viel Wert auf Shopping am Samstag in der Fußgängerzone legt. ;-) Von daher finde ich in jedem Fall kleine Schritte immer eine gute Sache und Sensibilisierung für nachhaltige Themen schon mal die richtige Richtung. Alles Liebe, Corinna

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  7. RESPEKT für diesen tiefsinnigen und wirklich gelungenen Beitrag. Ich habe das auch schon so oft bemängelt, dass viele Blogger immer wieder neue Teile haben und ein Teil nie 2mal anziehen. Natürlich gehöre auch ich zu den Modeliebhabern, aber ich habe meine Liebelingteile. Meine Leser sollen sehen, dass ich diese Stücke öfters anziehe, warum auch nicht. Immerhin ist das doch "normal". Wer von unseren Lesern wirft seine Klamotten nach einmal Tragen weg? Wir haben doch alle Lieblingsstücke und ich denke auch gerade hier steckt ein Anfang drin. Ein Anfang über Nachhaltigkeit nachzudenken. Danke für deinen Beitrag. Secondhand ist TOLL. Hab einen schönen Sonntag, xo Julia http://fashionblonde.de

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  8. Hi Corinna, ich war auch immer gerne shoppen. Bis ich für eine Reise gespart hab, die alles verändert hat. Jetzt mache ich Lookbooks aus dem eigenen Schrank ( mit der Instax Kamera) statt shoppen. Das macht soooo Spass und ich liebe meine Klamotten und Schuhe und Taschen. Mich persönlich macht no Shopping tatsächlich glücklich. Mehr Zeit, mehr Energie und eine neue Achtsamkeit und Liebe für alles, was ich habe. Ein tolles Lebensgefühl. Genau wie du glaube ich fest daran, dass jeder Babystep zählt und ich finde deine Einstellung und Authentizität richtig gut. Keep going, girl!

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