Modelabel gründen - wie viel Kapital ich brauchte

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Gleich mal Butter bei die Fische: das ist die wohl am häufigsten gestellte Frage, die ich zum Thema Gründen und selbstständig machen bekam: wie viel Geld hast du investiert?

Ich erzähle euch gern, wie es bei mir war, aber das heißt natürlich nicht, dass ihr als potentielle Gründer genau so viel Kapital benötigt. Es hängt einfach von super vielen Faktoren ab, von eurer Erfahrung, von der Branche, von euren Kontakten und Kooperationspartnern. Aber natürlich kann ich euch schon mal sagen: wenn ihr ein physisches Produkt auf den Markt bringen wollte (sprich keine Dienstleistung oder ein digitales Projekt), braucht ihr etwas Startkapital. Und bei den meisten Gründern wird es am Ende etwas mehr als anfangs gedacht...

Bei mir war es ja so, dass ich schon fünf Jahre Berufserfahrung hatte und somit auch schon etwas Geld zur Seite gelegt hatte. Nach den ersten Wochen Recherche wurde mir auch klar, dass es wahrscheinlich schon ein paar Tausend Euro bedarf, bevor ich überhaupt loslegen kann oder irgendetwas in den Händen halte, aber ich dachte, vielleicht komme ich da mit ca. 5000€ hin... Naiv gedacht, kann ich rückblickend sagen. :D
Alles kostet Geld, angefangen von den ersten Visitenkarten (ggf. auch dem Design davon), dann den ersten Messebesuchen und den dazugehörigen Reisekosten, den ersten Mustermaterialien, bei denen es meistens nicht bleibt, weil man viel ausprobieren muss, sich die Designs ändern oder manche Dinge nicht umsetzbar sind mit den gewünschten Stoffen/Spitzen, Portokosten (gerade bei internationalen oder europäischen Geschäftspartnern - hatte ich völlig unterschätzt), aber auch die administrativen Notwendigkeiten, die mindestens je ein paar Hundert Euro kosten (Marke anmelden, Firma anmelden, Notargebühren, IHK-Gebühren usw). 

Bei mir waren die großen Brocken vor bzw. während der Gründung von Coco Malou also Folgendes:
- die Erstellung der ersten Schnittmuster und Gradierungen der Größen
- die Materialkosten dafür
- die Lohnkosten für das Erstellen der ersten Muster

Ohne gute Prototypen kann auch kein Markttest oder Crowdfunding stattfinden.  Selten läuft alles wie geplant, also musste ich mehrere Runden drehen mit den ersten Mustern. Am Anfang habe ich eine Lingerie Designerin mit dem Umsetzen meiner Ideen beauftragt und sie dafür bezahlt, dass sie die Schnittmuster auf dem Computer erstellt. Die erste Produktionsstätte hat diese aber nochmal anpassen müssen (mehrmals) und Größentabellen erstellt. Und am Ende bin ich doch zu einer anderen Produktion gewechselt, die nochmal Anpassungen gemacht hat.

Ich schätze, dass ich dafür am Ende um die 10.000€ ausgegeben habe. Dazu kamen die bereits erwähnten Gründungskosten, Reisekosten, (Grafik-)Designkosten und Kosten für das erste Fotoshooting & Video für die Crowdfunding-Kampagne: insgesamt nochmal um die 5000€. Und das obwohl ich ganz viel tolle Unterstützung von Freunden hatte, die mir ganz kleine Preise gemacht haben - es kommt irgendwie einfach viel zusammen. 15k€ also bevor ich loslegen konnte.

https://www.coco-malou.com/collections/alle-produkte/products/spitzen-bralette-louisa-mit-herausnehmbaren-cups

Durch das Crowdfunding habe ich dann ganze 30.000€ eingesammelt, aber man darf nicht vergessen, dass hiervon wieder Gebühren für Plattform und natürlich Steuern (bei Mode 19%) abgezogen werden. Trotzdem war ich hochmotiviert, das jetzt durchzuziehen, schließlich hatte ich ja über 570 Unterstützer gefunden, die etwas von Coco Malou kaufen wollten. :)
Leider kommt man aber damit nicht wirklich weit, denn ich musste ja jetzt ein Büro mit Lager anmieten, einen Steuerberater bezahlen, einen Online-Shop erstellen und auch Personal anstellen - all das gibt's natürlich nicht umsonst. Die Produktionskosten für die erste Kollektion sowie natürlich auch das ganze Material (wovon ich vorher nur jeweils wenige Meter bestellt hatte), waren dazu die nächsten großen Kostenblöcke. Von dem Crowdfunding-Geld konnte ich die Materialien gut finanzieren, aber da ich einige Mindestmengen abnehmen musste, habe ich mich entschieden, noch einen Kredit im oberen 5-stelligen Bereich aufzunehmen, um alles andere zu finanzieren. Ohne Moos nix los :D Ich kann euch sagen, es war schon ein verrücktes Gefühl, für mehrere Tausend Euro Spitze einzukaufen!

Wie gesagt gibt es auch Gründer, die das Ganze kleiner aufgebaut haben; statt Büro und Lager vielleicht aus dem eigenen Wohnzimmer arbeiten und so Kosten sparen. Erstmal eine noch kleinere Kollektion gestalten oder vielleicht Kosten sparen, weil sie selbst die Schnitt- oder Mustererstellung
übernehmen können. Es kommt auch sehr auf das Produkt an, was ihr auf den Markt bringen wollt und welche Mindestmengen ihr für die Produktion abnehmen müsst. Grundsätzlich denkt man am Anfang aber sicherlich immer, dass man es mit weniger schafft - und dann doch immer wieder mal was schief läuft. Bei der Kalkulation also am besten ein wenig "Lehrgeld" und Puffer mit einrechnen.

https://www.coco-malou.com/collections/alle-produkte/products/spitzen-slip-cherie

Jetzt habt ihr aber einen kleinen Einblick von meiner Gründung bekommen.
Ein halbes Jahr nach Launch des Online Shops im Juni 2019 habe ich zumindest langsam ein Gefühl davon bekommen, wie es weitergehen kann und welche monatlichen Kosten realistischerweise anfallen und wie viel wieder reinkommt. Es dauert natürlich noch etwas, bis ich die Anfangsausgaben wieder drin habe und der Kredit ist zum Glück die ersten beiden Jahre tilgungsfrei und dann innerhalb von acht Jahren zurückzuzahlen. Aber ich habe ein gutes Gefühl, dass es schon gut gehen wird.


Alles Liebe,
eure Corinna


Die schönen Fotos sind von der talentierten Julia Pommerenke.

Finde die perfekten, fairen Sneaker - eine Lebensaufgabe?



Fair produzierte Schuhe gibt es mittlerweile zum Glück immer häufiger zu kaufen. Aber sie sollen ja nicht nur fair, sondern natürlich auch schön, bequem und möglichst nachhaltig sein - und das ist bei Schuhen ja so eine Sache.
Vor ca. drei Jahren habe ich ein paar vegane, weiße Sneaker online bestellt, da es die Marke nirgends in Stuttgart zu kaufen gab. Zum Glück waren sie gleich bequem und haben auch gepasst - das Problem war leider die Qualität: nach einem dreiviertel Jahr gingen sie an mehreren Stellen kaputt und das Kunstleder bröselte. Ich habe mich bei der Firma gemeldet und ein paar Ersatzschuhe erhalten - die aber leider ähnlich schnell kaputt gingen. Noch dazu war ich nicht so richtig zufrieden mit dem Tragegefühl, da sie gerade im Sommer super warm und alles andere als atmungsaktiv waren - Kunststoff eben.
Ok, dachte ich mir, es ist zwar schön, dass sie fair und aus veganem Material waren, aber vielleicht ist Leder dann doch einfach nachhaltiger, im Sinne von langlebiger und auch angenehmer zu tragen. Schließlich ist es wenig ökologisch, zwei Mal im Jahr das gleiche Paar Schuhe nachzukaufen und diese dann wieder zu entsorgen. Zumindest sollte das Leder pflanzlich gegerbt und aus artgerechter Tierhaltung sein, sowie die Schuhe unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt. Wenn sie dann noch lange halten, scheint das mir die ökologischste Variante zu sein, denn das Problem mit Kunstleder ist ja, dass es leider derzeit noch aus erdölbasiertem Plastik besteht und somit weder biologisch abbaubar, noch sonst irgendwie nachhaltig ist. Das muss aber jeder für sich entscheiden. Ich hoffe ja, dass in den nächsten Jahren noch weitere pflanzliche Alternativen auf den Markt kommen und denke da an Innovationen wie Ananas- oder Apfelleder. Wenn das dann auch noch lange hält, wäre es perfekt.

Bis dahin habe ich mich nun aber für Ledersneakers von Veja entschieden, die ich auch schon seit einer ganzen Weile richtig schön fand. Das Problem: die, die ich wollte, schienen immer überall ausverkauft zu sein. Ich war in mehreren Läden in Stuttgart und habe dort entweder nicht die Farbe gefunden, die ich wollte (nämlich all white!), oder nicht meine Größe. Selbst auf der Veja Website waren sie in Gr. 40 ausverkauft.

Dann wurde ich auf eine Crowdfunding Kampagne aufmerksam, bei der es ein ganz ähnliches Modell gab. Ihr wisst ja, dass ich auch gern Start-Ups unterstütze und da auch diese Sneaker fair produziert wurden (wenn auch aus Leder), habe ich ihnen eine Chance gegeben und mich gleich in sie verliebt. Bequem, atmungsaktiv, schön. Die Geschichte hätte also hier aufhören können. Ich hab sie brav mit Lederpflege eingerieben, jeden Tag getragen, gehegt, gepflegt... und sie sind wieder nach weniger als einem Jahr durch! Gra! Das Leder ging vorne an mehreren Stellen kaputt, die Baumwollpolsterung innen bekam auch Löcher - der Schuster meinte, er kann da leider nicht viel retten bei der Qualität. Ziemlich frustrierend.

Nun also mein (hoffentlich vorerst letzter!) Kauf von weißen Sneakers. Da ich die Vejas immer noch im Kopf hatte und sie mir auf Insta von vielen Followern, auch was die Qualität angeht, empfohlen wurden, habe ich nochmal gesucht. Und tada, ich hab sie endlich gefunden! Letzten Endes hab ich meine Größe und Wunschfarbe über everysize* entdeckt, einer Sneaker Suchmaschine, die über 50 Shops durchsucht und dann die Ergebnisse schön übersichtlich anzeigt - sortiert nach Preis, Farbe, Marke, was man auch möchte. Das fand ich nun wirklich mal praktisch, da ich schon diverse Websites und Online Shops durchsucht hatte und wirklich keine Lust mehr hatte. Da war ich kurz vorm Aufgeben :D


Übrigens finde ich es auch super, dass man bei everysize auch nach Sneakers on sale suchen kann und dann gleich seine Größe einstellen kann - dann wird gleich in mehreren Online Shops geschaut, ob das Wunschmodell in deiner Größe etc. gerade lieferbar ist.
Für richtige Sneaker-Verliebte gibt es auf der Website auch ein Magazin mit diversen Artikeln, Interviews und News aus der Branche, wie z.B. auch einen langen Info-Artikel zum Thema nachhaltige Sneakers. Meine Lieferung kam übirgens super schnell innerhalb von wenigen Tagen und sicher verpackt an.


Ich hoffe nun inständig, dass die Qualität dieser Sneaker besser ist und sie sich schnell einlaufen. Anfangs sind sie etwas hart, aber das hab ich nun schon von Vielen gehört. Man muss wohl geduldig sein, dann werden sie super bequem und halten mir dann hoffentlich die nächsten drei Jahre. Und dann weiß ich ja, wo ich wieder welche finde, wenn ich auf der Suche sein sollte!

Habt ihr sie schon gefunden, die perfekten, fair produzierten Sneaker?

Alles Liebe,
eure Corinna


*Transparenz/Werbung: Dieser Post entstand in Zusammenarbeit mit everysize. 

Was ein nachhaltiger Lebensstil mit deiner Bank zu tun hat



Nachhaltigkeit ist eine Reise, die wahrscheinlich nie endet. Mein persönlicher Weg hat so angefangen, dass ich mich mehr und mehr mit dem Thema Ernährung auseinander gesetzt habe - erst über den ethischen Aspekt der Massentierhaltung (und zum Vegetarier wurde), dann, Jahre später, über die Bedeutung von Bio-Lebensmitteln und ökologischer Landwirtschaft. Berufsbedingt hab ich mich danach viel mit dem Thema nachhaltiger waschen und reinigen beschäftigt und kam dann irgendwann zum Bereich Kleidung und Inneneinrichtung. Es gibt so viele Bereiche, die man besser gestalten kann - eigentlich stellte ich mir schon oft die Frage, wieso "konventionell" in fast allen Bereichen bedeutet, dass auch Ausbeutung im Spiel ist. Von Tieren, von Böden und Flüssen, von Menschen und unserer Umwelt. Nun habe ich nach und nach viele Bereiche umgestellt, mich informiert und nach Alternativen gesucht und bin trotzdem weit entfernt von perfekt. Das Bewusstsein ist aber da. Und der Wille zu lernen.

Würdest du gern mit deinem Geld die Atomwirtschaft unterstützen, die Rüstungsindustrie oder chlororganische Massenprodukte? Wahrscheinlich nicht - ich auch nicht. Aber das Problem ist hier wieder, dass "konventionelle" Banken in der Regel genau das tun. Mit den Geldern, die wir auf unseren Konten, in Fonds oder auf Sparbüchern liegen haben, werden in der Regel eine Vielzahl von Projekten finanziert. Natürlich besonders gern lukrative Geschäfte, bei denen das Geld möglichst schnell vermehrt wird. Und so unterstützt man passiv, quasi ohne davon zu wissen, mit seinem Ersparten genau das, was man eigentlich durch einen nachhaltigen Lebensstil zu vermeiden versucht. Laut ican (international campaign to abolish nuclear weapons) flossen von 2014-2017 ganze 10 Milliarden US Dollar von deutschen Banken in Unternehmen, die Atomwaffen herstellen oder in Stand halten. Absurd, oder?

Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, mich näher mit dem Thema Banking auseinander zu setzen und habe mich mit dem Regionalleiter der GLS Bank in Stuttgart getroffen. Herr Münch, der vor über 12 Jahren von einer konventionellen Bank zur GLS gewechselt ist, war auf der Suche nach einem sinnstiftenderen Arbeitgeber und hat ihn in der GLS gefunden. Ich habe ihn im Weltladen an der Planie in Stuttgart getroffen und ihm einige Fragen stellen dürfen.


Corinna: Für die Laien unter uns (mich eingeschlossen), möglichst einfach erklärt: Wer ist die GLS Bank und was unterscheidet sie von anderen, konventionellen Banken?

Herr Münch: Die GLS ist eine sozialökologische, wertebasierte Genossenschaftsbank. Das heißt, wir sind uns über unsere Verantwortung in der Gesellschaft sehr bewusst und fragen uns bei allem, was wir finanzieren, ob es zukunftstauglich ist. Quasi enkeltauglich. Die Projekte sollen einen sozialen oder ökologischen Mehrwert bieten. Erst dann, also an dritter Stelle, schauen wir nach dem Gewinn. Unser Ziel ist ökonomische Tragfähigkeit und nicht Gewinnmaximierung. 

Corinna: Wie transparent ist die GLS Bank hier denn?

Herr Münch: Sehr. Wir veröffentlichen jeden einzelnen Kredit, den wir an Unternehmen vergeben im Bankenspiegel, der zwei Mal im Jahr veröffentlicht wird. Man kann die Kredite aber auch auf unserer Website einfach einsehen: Wann, wie hoch, an wen. Wir haben nichts zu verstecken und wollen auch, dass sich die Kunden informieren. Diese Art von Offenlegung finden Sie bei keiner konventionellen Bank!

Corinna: Gibt es einen Kriterienkatalog, nachdem Sie bewerten, was finanziert wird und was nicht? Können Sie mir ein paar Beispiele nennen?

Herr Münch: Ja es gibt umfassende Positiv- und Negativkriterien, nach denen wir entscheiden. Auch hier gelten unsere Grundsätze und Werte: es muss zukunftsfähig sein. Zum Beispiel machen wir viel mit erneuerbaren Energien, haben Windräder in Tübingen finanziert, und so ein Windrad kostet gleich 4-5 Millionen Euro. Ein weiteres Beispiel wäre dieser Weltladen hier, dem wir auch einen Kredit gegeben haben. Alle Produkte sind fair gehandelt und kommen aus ökologischer Produktion.
(Anm: Positiv-Branchen sind außerdem: nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, Bildung und nachhaltiges Bauen sowie Soziales & Gesundheit. Kategorisch ausgeschlossen sind z.B. Atom- und Kohleenergie, aber auch Massentierhaltung und Tierversuche. Die ganze Liste kann hier eingesehen werden).

Corinna: Woher weiß ich denn, wie fair meine jetzige Bank ist und worein sie investiert?

Herr Münch: Das Problem ist, in der Regel weiß man es eben nicht. Es kann zwar sein, dass auf der Website einer Bank das ein oder andere Umwelt-Beispiel gezeigt und hervorgehoben wird, aber oft ist es eben Greenwashing, weil der Großteil des Geldes nicht in solche grünen Projekte gesteckt wird. Auch die Kriterien, die konventionelle Banken auf ihren Websites darlegen, sind häufig nur für Teilbereiche gültig und ein Stück weit ist es ein Geheimnis, was mit dem Geld passiert, also überspitzt gesagt.
(Anmerkung: Passend dazu möchte ich euch dieses sehr unterhaltsame Jan Böhmermann Video zum Thema Erspartes/Was passiert wirklich mit meinem Geld? empfehlen :))



Corinna: Wie kann ich mich denn noch weiter über das Angebot der GLS informieren?

Herr Münch: Wir haben insgesamt sieben Filialen in Deutschland, in die die Kunden kommen können. Außerdem haben wir einen super Telefonservice bei uns in der Zentrale in Bochum, bei uns wird nichts outgesourced nach Indien oder so. Natürlich findet man die allermeisten Infos aber auch auf unserer Website, wo man ganz in Ruhe alles nachlesen kann. Zudem haben wir auch einen Blog und einen Podcast.

Corinna: Und wenn mich das alles überzeugt hat, wie kann ich meine Bank wechseln?

Herr Münch: Am einfachsten online. Es gibt einen Kontowechselservice, bei dem auch alles automatisch übernommen wird, bestehende Daueraufträge usw. Das geht ganz unkompliziert.

Corinna: Wir sind in Deutschland ja Sparfüchse. Wenn man aber hinter die Kulissen schaut, egal in welcher Branche, merkt man oft, dass bei günstigen Angeboten jemand anders oft die Kosten zahlt, sei es beim Thema Ernährung, Kleidung oder auch Kosmetik. Natürlich gibt es auch kostenfreie Konten. Was kostet ein Konto bei der GLS Bank und wieso lohnt sich das?

Herr Münch: Wir sind der Meinung, dass eine Dienstleistung auch angemessen vergütet werden muss. Daher gibt es eine monatliche Gebühr von 3,80€ und einen Jahresbeitrag von 60€, worüber die Mitglieder abgestimmt haben. Es ist ja so, dass die Zinsen immer weniger werden und wir nicht Getriebene des Provisionsgeschäftes werden wollen. Mit diesen Gebühren finanzieren wir also unsere Arbeit und sind auch hier transparent. Andere Banken holen sich diese Kosten vielleicht durch versteckte Gebühren wieder rein. (Anmerkung: Man kann auch kostenfrei Geld abheben und zwar an fast allen Volks- und Raiffeisenbanken sowie vielen Sparda-Banken und natürlich GLS Banken).
Für Schüler und Studenten bis 27 Jahren gibt es ein kostenloses Girokonto und der Jahresbeitrag ist 12 Euro. Das gilt auch für Menschen, die unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegen, weil wir wollen, dass jeder Mensch sein Geld sinnvoll, ökologisch und sozial, anlegen kann.

Corinna: In welche Fonds investiert die GLS?

Herr Münch:  Wir haben unsere eigenen Fonds entwickelt, z.B. den Klimafond, dessen Ziel es ist, einen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels zu leisten. Dann gibt es noch GLS Aktienfonds, Mikrofinanzfonds und die B.A.U.M. Fair Future Fonds. Auch hier gelten wieder unsere sozialen und ökologischen Kriterien und Werte.


Corinna: Wie sieht es mit Mobile Banking aus?

Herr Münch: Gibt es natürlich auch in Verbindung mit einer GLS Kontoverbindung kostenlos, unterstützt die meisten Banken, fast alle Kreditkarten und auch PayPal.

Corinna: Inwiefern fördert die GLS nachhaltigen Konsum und wie habe ich die größte Wirkung?

Herr Münch: Wir fördern nachhaltigen Konsum indirekt, insofern, dass eben nur soziale und ökologische Projekte von uns finanziert werden und man genau weiß, was mit seinem Geld passiert. Die größtmögliche Wirkung hat man übrigens, wenn man Mitglied bei der GLS wird, denn dann multipliziert man seinen Einfluss durch seine Anteile. GLS Bank Anteile sind das Eigenkapital der Bank. Je mehr Anteile Sie also zeichnen, desto mehr sinnvolle Vorhaben können wir unterstützen.


Corinna: Das klingt gut. Vielen Dank für das Interview, Herr Münch!



*dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der GLS-Bank. Vielen Dank für das spannende Gespräch!

Foto by Holger Hill

Der Traum vom eigenen Modelabel - wie ich Gründerin wurde


Hätte man mir vor fünf Jahren gesagt, dass ich heute Gründerin eines nachhaltigen Dessouslabels bin - ich hätte es nicht geglaubt. Es scheint mir auch immer noch etwas surreal, wenn ich über das letzte Jahr nachdenke. Aber ich bin mir ganz sicher, dass es die richtige Entscheidung war, diesen Weg zu gehen und mein Glück zu versuchen.
Die Idee spukte schon etwas länger in meinem Kopf herum, aber anfangs war ich noch nicht so sicher, dass ich mich tatsächlich trauen würde. Dann fiel mir durch eine liebe Freundin ein Motivationsbuch in die Hände, das mir den nötigen Anstoß gegeben hat. Wenn nicht jetzt, wann dann? Und warum sollte man nicht mal etwas wagen, wenn das Herz bei dem Gedanken schneller schlägt und der Bauch sagt, tu es!?

Ich hatte diese Vision von femininer, umweltfreundlicher Wäsche, die die Welt ein bisschen besser macht. Die etwas verändert, weil sie für faire Arbeitsbedingungen sorgt und die Modebranche verbessert, aber trotzdem einen Fokus auf schönem Design hat. Und da ich nicht wirklich das gefunden habe, was ich suchte, seit ich auf Fair Fashion umgestiegen bin, habe ich mich selbst daran gemacht.
Rückblickend ging es alles irgendwie recht schnell. Nachdem die Entscheidung gefällt war, dass ich es probieren möchte, stand nur noch die Frage aus, wie ich es angehe. Am sichersten wäre es ja, noch einen Teilzeitjob zu haben und nebenher zu gründen. Also Mut gesammelt, Antrag beim Arbeitgeber gestellt und - abgelehnt. Dadurch hieß es für mich ziemlich schnell ganz oder gar nicht. Nach einigen Gesprächen mit anderen Gründern und Selbstständigen, und auch nach etwas Recherche, was alles auf mich zukommen würde, war eigentlich klar: wenn, dann ganz. Und das habe ich nie bereut.

Es gibt erst mal so viel zu lernen, wenn man ein Modelabel gründen möchte. Nicht nur fachlich, da ich keinen klassischen "Textilhintergrund" habe, sondern eigentlich BWL und Marketing studiert habe, sondern auch ganzheitlich gibt es als Start-Up unfassbar viele kleine Hürden zu nehmen und täglich Neues zu lernen. Natürlich kommt es auch darauf an, was genau man will und was eigentlich das Ziel ist: Ob man jetzt nebenher T-Shirts bedruckt, im kleinen Rahmen selbst etwas näht, oder ob man versucht, seinen Lebensunterhalt langfristig mit dem neuen Unternehmen zu bestreiten und die komplette Produktion, von Sourcing der Materialien und Schnitterstellung über Herstellung und Auslieferung, übernehmen will, macht natürlich schon einen großen Unterschied. Aber auch von Gründern, die im "kleinen Stil" eine Marke aufbauen, habe ich gehört, dass ganz schön viel harte Arbeit dahinter steckt - und das glaub ich sofort!

Was die Gründung an sich angeht, ist Deutschland ein ganz schöner Bürokratiedschungel. Ich habe mich von diversen Stellen beraten lassen, was anfangs mehr Fragen als Antworten aufwarf. Aber im Großen und Ganzen hat mich natürlich schon jede Beratung jeweils immer einen Schritt weitergebracht. Es gibt einige offizielle Anlaufstellen, die ich besucht habe: Sowohl bei der IHK als auch der Agentur für Arbeit, aber auch bei der Stadt Stuttgart im Gründerbüro gibt es kostenfreie oder sehr günstige Beratungsleistungen, die einen am Anfang weiterhelfen. Denn ich wusste vor lauter to dos eigentlich gar nicht, wo ich eigentlich anfangen soll. Zudem gibt es von Steinbeis und der RKW Gründungsberatungen, die vom Land bzw. der EU bezuschusst werden, und bei der Erstellung des Businessplans aber auch diversen anderen Problemen helfen. Das habe ich am Ende wahrgenommen und bin sehr froh darüber, weil dadurch zum Einen wertvolle Kontakte entstanden sind, und zum Anderen die Idee nochmal von Experten unter die Lupe genommen wurde. Ich fand den Gedanken hilfreich, sich mit jemandem auszutauschen, der tagtäglich mit Gründern zu tun hat und auch bei der Realisierbarkeit der Idee zur Seite steht. Die Beratung steht und fällt natürlich mit der Person, die dir gegenüber sitzt, weshalb es absolut wichtig ist, dass man auf einer Wellenlänge ist und gut miteinander kann. Hier habe ich mit insgesamt vier verschiedenen Beratern gesprochen, um den für mich richtigen zu finden.

Dann gibt es natürlich noch weitere Förderungen, die aber immer sehr spezifisch von deiner Idee abhängen. Die Start-Up Welt wimmelt von potenziellen Fördermöglichkeiten, aber das Problem ist, dass sie alle unterschiedliche Kriterien haben, unter denen man sich bewerben darf - und die Garantie, dass man sie bekommt, hat man natürlich nie. Daher muss man sich gut überlegen, wo man seine kostbarsten Ressourcen, Zeit und Energie, eigentlich rein investiert.
So gibt es z.B. Exi-Gutscheine, bei denen innovative Ideen bis zu 2500€ oder auch unter bestimmten Bedingungen 10000€ gefördert werden - aber wenn man das Kleingedruckte liest, muss man dafür ganz schön viele Kriterien erfüllen. Oft gelten solche Förderungen insbesondere für Tech-Unternehmen oder Innovationen, die so noch nie da gewesen sind und mit diversen Dokumenten belegt werden müssen. Hach, kein Spaß sag ich euch.
Weiterhin gibt es natürlich auch immer wieder Wettbewerbe, bei denen man mitmachen kann und seine Idee pitchen kann - hilfreich um Bekanntheit zu erlangen, Connections zu machen und manchmal eben auch um Geld zu bekommen. Aber auch hierfür muss man sich natürlich wieder vorab bewerben, vorbereiten, auf die Bühne trauen und überlegen, ob sich der Aufwand lohnt. Ein paar Pitches habe ich auch mitgemacht und ich glaube, dass man bei jedem ein kleines bisschen besser wird und was dazulernt. Aber die Aufregung davor ist nach wie vor die gleiche.

Neben den klassischen Fördermöglichkeiten für Start Ups gibt es noch weitere Institutionen, die hilfreich sein können. Ich habe mich zum Beispiel im Social Impact Lab beworben, welches es in sechs Städten in Deutschland gibt, und ein Stipendiumprogramm für angehende Sozialunternehmer anbietet. Das Stipendium besteht aus einem Co-Working Space, den man sich mit anderen Gründern teilt und den ich als super wertvoll empfand, als auch Workshops und Weiterbildungen für Start-Ups, die mich weitergebracht haben. Das Ding am Gründen ist ja, dass man viele Höhen und Tiefen durchlebt und es nie ein konstantes Stimmungshoch ist. Zumindest war es bei mir so. Gerade weil man sich am Anfang mit so Vielem auseinander setzen muss, was man noch nie gemacht hat (inklusive dem Administrativen Teil, der wohl den wenigsten große Freude bereitet), habe ich viele Rückschläge erlebt und auch Motivationslöcher gehabt. Da hilft es enorm, sich mit anderen Gründern auszutauschen und zu sehen, dass es einem nicht alleine so geht!

Dann habe ich mir Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen und vermehrt Start-Up und Business Zeitschriften gelesen. Es gibt schon viele Ressourcen, auch zum Thema Modelabel gründen, aber ganz speziell zum Thema Wäsche bzw. Dessous habe ich leider wenig gefunden. Was aber klar war: ich brauchte die Schnitte, die Materialien und eine Produktion. Und so ging die Recherche weiter. Ich bin zu verschiedenen Messen gefahren, habe gemerkt, dass ich noch ziemlich wenig Ahnung hab und wie groß die Hürden am Anfang sind. Von Mindestbestellmengen von 1000 Meter Stoff (überlegt mal, wie viele Höschen das ergibt! ;-)) über ein Fachjargon, das ich nicht beherrschte und mich dementsprechend verunsicherte. Jede Branche bringt ja so ihre Eigenheiten mit sich und ich hatte schnell das Gefühl, gerade BHs sind so eine Wissenschaft für sich. Ich hatte mir vorher noch nie konkrete Gedanken über die Elastizität eines Unterbrustgummis gemacht oder den Abstand der Haken und Ösen bei einem BH-Verschluss. Die ersten Gespräche mit potentiellen Lieferanten verliefen entsprechend holprig und ich fühlte mich wie der größte Blindgänger auf den ersten Fachmessen.
Aber gut, es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen, daher sagte ich mir Augen zu und durch. Jedes Gespräch, auch wenn ich mich danach erst mal ganz schön dumm und unerfahren fühlte, brachte mich weiter. Und mittlerweile habe ich von jedem BH- und Slipeinzelteil diverse verschiedene Musterstücke in meinem Büro liegen und kenne mich schon ein gutes Stück besser aus - probieren geht über studieren. :D

Nebenher habe ich mir dann immer wieder Gedanken über die Marke gemacht. Wie soll die erste Kollektion aussehen, was sind die wichtigsten Werte, wie will ich kommunizieren? Was ist der perfekte Name? Allein diese Frage hat mich viele, viele Stunden und schlaflose Nächte gekostet. Ich habe so viele Namen im Kopf durchgespielt, Freunde befragt, Möglichkeiten probiert - und am Ende auf mein Bauchgefühl gehört und so ist es "Coco Malou" geworden. Es sollte einen persönlichen Bezug haben (Coco abgeleitet von meinem eigenen Vornamen Corinna) und schön klingen (Malou ist die Kurzform von dem französischen Mädchennamen Marie-Louise), aber nicht zu einschränkend sein. In möglichst vielen Sprachen gleich und leicht aussprechbar sein und irgendwie hängen bleiben. Ein bisschen Französisch klingen, denn der Name soll sich ja im Design auch wiederfinden.  Und so kam ich dann auf Coco Malou. :)



Während ich das so schreibe, merke ich, wie viel mehr es noch zu erzählen gibt. Von der Finanzierungsfrage über die ersten Prototypen, der Website, dem Crowdfunding, Fotoshooting und der Vertriebsstrategie. Damit es euch nicht gleich erschlägt, belasse ich es jetzt dabei und schreibe in den nächsten Wochen und Monaten einen weiteren Teil, wie es sich bei mir entwickelt hat. Ich freu mich jedenfalls, dass ihr dabei seid und meine Reise als Gründerin begleitet!

Alles Liebe,
eure Corinna




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