Was ein nachhaltiger Lebensstil mit deiner Bank zu tun hat



Nachhaltigkeit ist eine Reise, die wahrscheinlich nie endet. Mein persönlicher Weg hat so angefangen, dass ich mich mehr und mehr mit dem Thema Ernährung auseinander gesetzt habe - erst über den ethischen Aspekt der Massentierhaltung (und zum Vegetarier wurde), dann, Jahre später, über die Bedeutung von Bio-Lebensmitteln und ökologischer Landwirtschaft. Berufsbedingt hab ich mich danach viel mit dem Thema nachhaltiger waschen und reinigen beschäftigt und kam dann irgendwann zum Bereich Kleidung und Inneneinrichtung. Es gibt so viele Bereiche, die man besser gestalten kann - eigentlich stellte ich mir schon oft die Frage, wieso "konventionell" in fast allen Bereichen bedeutet, dass auch Ausbeutung im Spiel ist. Von Tieren, von Böden und Flüssen, von Menschen und unserer Umwelt. Nun habe ich nach und nach viele Bereiche umgestellt, mich informiert und nach Alternativen gesucht und bin trotzdem weit entfernt von perfekt. Das Bewusstsein ist aber da. Und der Wille zu lernen.

Würdest du gern mit deinem Geld die Atomwirtschaft unterstützen, die Rüstungsindustrie oder chlororganische Massenprodukte? Wahrscheinlich nicht - ich auch nicht. Aber das Problem ist hier wieder, dass "konventionelle" Banken in der Regel genau das tun. Mit den Geldern, die wir auf unseren Konten, in Fonds oder auf Sparbüchern liegen haben, werden in der Regel eine Vielzahl von Projekten finanziert. Natürlich besonders gern lukrative Geschäfte, bei denen das Geld möglichst schnell vermehrt wird. Und so unterstützt man passiv, quasi ohne davon zu wissen, mit seinem Ersparten genau das, was man eigentlich durch einen nachhaltigen Lebensstil zu vermeiden versucht. Laut ican (international campaign to abolish nuclear weapons) flossen von 2014-2017 ganze 10 Milliarden US Dollar von deutschen Banken in Unternehmen, die Atomwaffen herstellen oder in Stand halten. Absurd, oder?

Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, mich näher mit dem Thema Banking auseinander zu setzen und habe mich mit dem Regionalleiter der GLS Bank in Stuttgart getroffen. Herr Münch, der vor über 12 Jahren von einer konventionellen Bank zur GLS gewechselt ist, war auf der Suche nach einem sinnstiftenderen Arbeitgeber und hat ihn in der GLS gefunden. Ich habe ihn im Weltladen an der Planie in Stuttgart getroffen und ihm einige Fragen stellen dürfen.


Corinna: Für die Laien unter uns (mich eingeschlossen), möglichst einfach erklärt: Wer ist die GLS Bank und was unterscheidet sie von anderen, konventionellen Banken?

Herr Münch: Die GLS ist eine sozialökologische, wertebasierte Genossenschaftsbank. Das heißt, wir sind uns über unsere Verantwortung in der Gesellschaft sehr bewusst und fragen uns bei allem, was wir finanzieren, ob es zukunftstauglich ist. Quasi enkeltauglich. Die Projekte sollen einen sozialen oder ökologischen Mehrwert bieten. Erst dann, also an dritter Stelle, schauen wir nach dem Gewinn. Unser Ziel ist ökonomische Tragfähigkeit und nicht Gewinnmaximierung. 

Corinna: Wie transparent ist die GLS Bank hier denn?

Herr Münch: Sehr. Wir veröffentlichen jeden einzelnen Kredit, den wir an Unternehmen vergeben im Bankenspiegel, der zwei Mal im Jahr veröffentlicht wird. Man kann die Kredite aber auch auf unserer Website einfach einsehen: Wann, wie hoch, an wen. Wir haben nichts zu verstecken und wollen auch, dass sich die Kunden informieren. Diese Art von Offenlegung finden Sie bei keiner konventionellen Bank!

Corinna: Gibt es einen Kriterienkatalog, nachdem Sie bewerten, was finanziert wird und was nicht? Können Sie mir ein paar Beispiele nennen?

Herr Münch: Ja es gibt umfassende Positiv- und Negativkriterien, nach denen wir entscheiden. Auch hier gelten unsere Grundsätze und Werte: es muss zukunftsfähig sein. Zum Beispiel machen wir viel mit erneuerbaren Energien, haben Windräder in Tübingen finanziert, und so ein Windrad kostet gleich 4-5 Millionen Euro. Ein weiteres Beispiel wäre dieser Weltladen hier, dem wir auch einen Kredit gegeben haben. Alle Produkte sind fair gehandelt und kommen aus ökologischer Produktion.
(Anm: Positiv-Branchen sind außerdem: nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, Bildung und nachhaltiges Bauen sowie Soziales & Gesundheit. Kategorisch ausgeschlossen sind z.B. Atom- und Kohleenergie, aber auch Massentierhaltung und Tierversuche. Die ganze Liste kann hier eingesehen werden).

Corinna: Woher weiß ich denn, wie fair meine jetzige Bank ist und worein sie investiert?

Herr Münch: Das Problem ist, in der Regel weiß man es eben nicht. Es kann zwar sein, dass auf der Website einer Bank das ein oder andere Umwelt-Beispiel gezeigt und hervorgehoben wird, aber oft ist es eben Greenwashing, weil der Großteil des Geldes nicht in solche grünen Projekte gesteckt wird. Auch die Kriterien, die konventionelle Banken auf ihren Websites darlegen, sind häufig nur für Teilbereiche gültig und ein Stück weit ist es ein Geheimnis, was mit dem Geld passiert, also überspitzt gesagt.
(Anmerkung: Passend dazu möchte ich euch dieses sehr unterhaltsame Jan Böhmermann Video zum Thema Erspartes/Was passiert wirklich mit meinem Geld? empfehlen :))



Corinna: Wie kann ich mich denn noch weiter über das Angebot der GLS informieren?

Herr Münch: Wir haben insgesamt sieben Filialen in Deutschland, in die die Kunden kommen können. Außerdem haben wir einen super Telefonservice bei uns in der Zentrale in Bochum, bei uns wird nichts outgesourced nach Indien oder so. Natürlich findet man die allermeisten Infos aber auch auf unserer Website, wo man ganz in Ruhe alles nachlesen kann. Zudem haben wir auch einen Blog und einen Podcast.

Corinna: Und wenn mich das alles überzeugt hat, wie kann ich meine Bank wechseln?

Herr Münch: Am einfachsten online. Es gibt einen Kontowechselservice, bei dem auch alles automatisch übernommen wird, bestehende Daueraufträge usw. Das geht ganz unkompliziert.

Corinna: Wir sind in Deutschland ja Sparfüchse. Wenn man aber hinter die Kulissen schaut, egal in welcher Branche, merkt man oft, dass bei günstigen Angeboten jemand anders oft die Kosten zahlt, sei es beim Thema Ernährung, Kleidung oder auch Kosmetik. Natürlich gibt es auch kostenfreie Konten. Was kostet ein Konto bei der GLS Bank und wieso lohnt sich das?

Herr Münch: Wir sind der Meinung, dass eine Dienstleistung auch angemessen vergütet werden muss. Daher gibt es eine monatliche Gebühr von 3,80€ und einen Jahresbeitrag von 60€, worüber die Mitglieder abgestimmt haben. Es ist ja so, dass die Zinsen immer weniger werden und wir nicht Getriebene des Provisionsgeschäftes werden wollen. Mit diesen Gebühren finanzieren wir also unsere Arbeit und sind auch hier transparent. Andere Banken holen sich diese Kosten vielleicht durch versteckte Gebühren wieder rein. (Anmerkung: Man kann auch kostenfrei Geld abheben und zwar an fast allen Volks- und Raiffeisenbanken sowie vielen Sparda-Banken und natürlich GLS Banken).
Für Schüler und Studenten bis 27 Jahren gibt es ein kostenloses Girokonto und der Jahresbeitrag ist 12 Euro. Das gilt auch für Menschen, die unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegen, weil wir wollen, dass jeder Mensch sein Geld sinnvoll, ökologisch und sozial, anlegen kann.

Corinna: In welche Fonds investiert die GLS?

Herr Münch:  Wir haben unsere eigenen Fonds entwickelt, z.B. den Klimafond, dessen Ziel es ist, einen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels zu leisten. Dann gibt es noch GLS Aktienfonds, Mikrofinanzfonds und die B.A.U.M. Fair Future Fonds. Auch hier gelten wieder unsere sozialen und ökologischen Kriterien und Werte.


Corinna: Wie sieht es mit Mobile Banking aus?

Herr Münch: Gibt es natürlich auch in Verbindung mit einer GLS Kontoverbindung kostenlos, unterstützt die meisten Banken, fast alle Kreditkarten und auch PayPal.

Corinna: Inwiefern fördert die GLS nachhaltigen Konsum und wie habe ich die größte Wirkung?

Herr Münch: Wir fördern nachhaltigen Konsum indirekt, insofern, dass eben nur soziale und ökologische Projekte von uns finanziert werden und man genau weiß, was mit seinem Geld passiert. Die größtmögliche Wirkung hat man übrigens, wenn man Mitglied bei der GLS wird, denn dann multipliziert man seinen Einfluss durch seine Anteile. GLS Bank Anteile sind das Eigenkapital der Bank. Je mehr Anteile Sie also zeichnen, desto mehr sinnvolle Vorhaben können wir unterstützen.


Corinna: Das klingt gut. Vielen Dank für das Interview, Herr Münch!



*dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der GLS-Bank. Vielen Dank für das spannende Gespräch!

Foto by Holger Hill

Kommentare:

  1. Woah krass. Davon hatte ich bisher keine Ahnung! Danke für die Infos...hat mich zum nachdenken gebracht

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    1. Ja, das ist leider ein Thema, das nicht sehr präsent ist. Schön, dass es dich zum Nachdenken gebracht hat! :)

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  2. Hallo Corinna,
    ich bin durch Instagram auf deinen Blog gekommen und freu mich sehr über deinen Beitrag. Danke auch für die Infos zu den Hintergründen beim Banking. Tatsächlich hab ich mir da noch nie Gedanken drüber gemacht und überlege jetzt mal meinen Bankberater zu fragen, was mit meinem Geld eigentlich finanziert wird :D
    Danke für den Anstoß!
    LG, Sabrina

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  3. Hey Sabrina,
    Aber unbedingt mal nachfragen und schauen, was er sagt! :) Und schön, dass dir der Post was gebracht hat!
    Liebst,
    Corinna

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