Gekündigt ohne neuen Job - und jetzt?


So, da bin ich nun in meiner allerletzten Woche als Angestellte. Ich kann euch sagen, es ist schon ein verrücktes Gefühl. Aber auch ein sehr gutes. Mir brummt gerade der Kopf von so vielen kleinen Dingen, die es noch zu erledigen gibt: unfertige Projekte übergeben, Schreibtisch und Büroschränke aufräumen, meinen Abschied planen, Handynummer überall ändern und das neue Handy einrichten...aber hey, ab nächster Woche geht ein neuer Lebensabschnitt für mich los - und es fühlt sich sehr, sehr gut an!

Aber erst mal ein paar Schritte zurück, wie ich überhaupt hier gelandet bin. 
Ich bin jetzt seit ziemlich genau fünf Jahren beim gleichen Arbeitgeber gewesen und es war eine durchaus turbulente Zeit. Zwar hab ich auch vor und während dem Studium immer nebenher gearbeitet, Praktika gemacht und etwas Geld dazu verdient. Aber es war mein erster richtiger Job. Und rückblickend kann ich sagen: ich bin sehr glücklich gewesen. Ich war bei einem mittelständischen Unternehmen, das nachhaltige Produkte herstellt, und habe dort nicht nur ein sehr nettes Team, sondern auch Freunde fürs Leben gefunden. Über die letzten Jahre habe ich in drei verschiedenen Positionen gearbeitet, viel dazu gelernt und viel erlebt. Wie das aber eben manchmal so ist, es wird irgendwann Zeit für was Neues.
In den letzten fünf Jahren hatte sich auch im Unternehmen viel verändert, einige lieb gewonnene Freunde sind weitergezogen (schließlich ist man heutzutage ja alle zwei Jahre quasi schon auf der Suche nach der nächsten Herausforderung) und es hat sich einfach viel getan. Nicht nur, dass es durch Umstrukturierungen und Veränderungen gefühlt immer stressiger wurde was die Arbeitsbelastung anging, sondern auch, dass ich innerlich langsam unruhig wurde und bereit für etwas Anderes. Zwar war der Ausgleich mit dem Blog immer ein schöner Gegenpol zur Büroarbeit, aber zeitweise hatte ich auch das Gefühl, dass ich hier gern viel mehr tun würde, aber einfach nicht dazu komme; zu ausgelastet bin und abends nie die Zeit dafür finde. Nachdem sowohl der Wunsch nach mehr Freizeit als auch nach Selbstverwirklichung immer lauter wurde, habe ich mich entschieden, einen Antrag auf Teilzeit einzureichen - leider abgelehnt.
Also schaute ich mich nebenher noch nach anderen Teilzeitstellen um, bewarb mich auf verschiedene Positionen, aber eigentlich muss ich sagen, dass ich nie so das Wahre gefunden habe. Wichtig ist für mich, dass ich mit meiner Zeit hier etwas Sinnvolles anstelle und alles in mir sträubt sich dagegen, in einem Unternehmen zu arbeiten, dessen Produkte ich ethisch und moralisch nicht vertretbar finde. Die keinen besonderen Mehrwert liefern. Und die die Welt nicht verbessern, sondern verschlechtern - und davon gibt es wirklich leider genug Firmen. XD

Wenn ich ehrlich zu mir bin, hab ich schon länger mit dem Gedanken gespielt mich selbstständig zu machen, aber irgendwie erschien es mir doch recht scary. Wo bleibt da die Sicherheit? Wie bezahl ich dann meine Miete und was, wenn es mal nicht so läuft? Andererseits bin ich gerade an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich es einfach mal probieren kann. Ich habe über die letzten Jahre ein bisschen was gespart und wenn man mal realistisch ist und es hinten und vorne nicht reicht, könnte ich ja immer noch im Notfall irgendeinen Job annehmen, um meinen Lebensunterhalt zu sichern. Ich meine, wenn man etwas wirklich will und sich mit ganzem Herzen für etwas einsetzt, dann klappt das doch auch, oder? Und lesen wir nicht immer davon, man solle raus aus seiner Komfortzone, sich etwas trauen, einfach mal mutig sein. Einfach mal machen.

Die ersten Reaktionen waren eher ernüchternd. "Bist du verrückt geworden?", fragt meine Schwester. "Warum willst du denn einfach kündigen, ohne etwas Neues zu haben?? Du kannst dich doch jetzt erst mal aus dem Anstellungsverhältnis raus bewerben!" Ja, das wäre wohl das Vernünftigste. Aber irgendwie auch das Halbherzigste. Ich war nicht mehr glücklich in der aktuellen Situation - einerseits innerlich so bereit für einen neuen Schritt, andererseits ausgelaugt von diesem vollen Terminplan, der Arbeitsroutine und dem Wunsch nach Veränderung. Und ich denke schon seit letztem Sommer darüber nach, WIE genau mein Weg eigentlich weitergehen soll.

Also habe ich es einfach gemacht, an einem verregneten, kalten Dezembertag: die Kündigung für meinen sicheren, unbefristeten Job eingereicht und bin wie durch Watte nach Hause gegangen. Was für ein verrücktes Gefühl! In meinen Ohren die Kopfhörer, auf denen laut Rolf Zuckowskis Kinderlied spielt "Ich schaff das schon. Ich schaff das schon. Ich schaff das ganz alleine. Ich komm bestimmt, ich komm bestimmt auch wieder auf die Beine." 

Mittlerweile reifen meine Pläne für die Zukunft immer weiter und obwohl die letzten drei Monate besonders anstrengend waren, bin ich mir sicher, dass es für mich die richtige Entscheidung war. Mein Plan ist: ich werde mich selbstständig machen und selbst etwas gründen, auf das ich stolz sein kann. 
Es gibt durchaus noch sehr viel für mich zu lernen. Erst mal muss ich mich durch diesen Bürokratiedschungel kämpfen, den man in Deutschland so zu bewältigen hat. Dann werde ich mir ein paar Tage Auszeit gönnen und neue Kraft tanken, um meine Gedanken sortieren. Und dann geht es auch schon los in einen neuen Lebensabschnitt, dem ich voller Aufregung und Vorfreude entgegenblicke. Auf jeden Fall schlägt mein Herz dann etwas schneller.

Da ich selbst noch ganz Anfang meiner Selbstständigkeit stehe, will ich meine (halbgaren) Pläne noch nicht so rausposaunen, ich hoffe ihr versteht das. :) Aber wenn ich soweit bin, werde ich euch natürlich sehr gern einweihen. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Monaten immer mal wieder ein paar Updates posten kann und bis dahin auch wieder etwas aktiver auf dem Blog sein werde. Über Erfahrungen, hilfreiche Bücher oder Blogs zu dem Thema freue ich mich natürlich auch!

In diesem Sinne, einfach mal machen und für euch wunderbare Ostern!

Alles Liebe,
eure Corinna
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